



Aziz lebt in Korsimoro, einem kleinen Ort etwa eine Stunde mit dem Geländewagen von Kaya entfernt. Ein paar winzige Lehmhütten mit Strohdächern drängen sich unter einer der wenigen Baumgruppen der Gegend: Die Landschaft ist trocken, karg, sandig. In einer dieser Hütten wohnt der 4-jährige Aziz mit seiner Familie: seinen Eltern und seinen beiden älteren Brüdern.
Aziz wurde mit einer Deformation beider Knie sowie der Hüfte geboren: Er konnte nie lernen, sich aufzurichten.
In der Folge lag er mehr oder weniger unbeweglich auf einer Matte in der Hütte. Seine Muskeln wurden nie trainiert und der gesamte Körper des kleinen Buben wurde immer unbeweglicher.
Als er vier Jahre alt ist, werden Rehabilitationshelfer des von LICHT FÜR DIE WELT ermöglichten Rehabilitationsprogramms in Kaya auf Aziz aufmerksam. Sie bringen ihn zu einer Untersuchung ins Spital. Dort erfährt die Familie, dass er vielleicht nach einer Operation gehen lernen wird können – doch bis dahin ist es ein weiter Weg.
Vorher müssen die Muskeln aufgebaut werden. Denn sonst werden sie den Körper nie tragen können. Sofort beginnt Martin Buguma mit der Arbeit: Zuerst massiert er die Beine des Kindes. Und bald sind die ersten Anzeichen von Besserung zu erkennen. Nicht nur die Beine beginnt Aziz zu bewegen, er lacht auch zum ersten Mal!
Nach zwei Wochen folgen die ersten Versuche, das Kind auf die Füße zu stellen. Anfangs knicken die Beine immer wieder ein, doch schnell sind bei dem vorher so verschlossenen, geradezu apathischen Kind Ehrgeiz und Willenskraft zu erkennen: Aziz möchte sich fortbewegen!
Weitere zwei Wochen später kann sich Aziz nicht nur alleine aufrichten, er hat einen Gehwagen bekommen, mit dem er sich im ganzen Dorf bewegen kann! Das Gestell eröffnet Aziz ganz neue Perspektiven: Er lernt die Welt um ihn herum kennen, er spielt mit anderen Kindern, interessiert sich plötzlich für alles, was um ihn herum vorgeht. Viel ausgeglichener, glücklicher, zufriedener ist der kleine Bub nun.
Genau wie seine Mutter Aguiratou: Unvorstellbar war es für sie, dass sich ihr Jüngster je bewegen würde können. Und auch, dass er sie je anstrahlen würde. Sogar wenn sie Baumwolle spinnt, um der Familie während der langen Trockenzeit ein kleines Zusatzeinkommen zu verschaffen, schaut Aziz begeistert zu. Aguiratou lernte von Martin, wie sie ihren Sohn massieren und welche Übungen sie mit ihm machen kann, um seine Muskeln weiter zu kräftigen und um seinen Rücken weiter zu stabilisieren. Voller Eifer sind sie und ihr Sohn bei der Sache.
Aguiratou weiß: Wenn Aziz weiter so gute Fortschritte macht, wird er operiert werden können und mit Krücken oder gar nur Schienen gehen! Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber die ersten Schritte in die Zukunft sind gemacht.




Mit therapeutischen Übungen stärkt Rehabilitationshelfer Martin Buguma die Muskulatur von Aziz.




Aziz und seine Mutter Aguiratou Sauradogo.




Mittlerweile kann sich Aziz mit seiner Gehhilfe bereits im ganzen Dorf frei bewegen.




