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Interview mit Henry Wanyoike

Thursday, September 29th, 2011

Der Kenianer Henry Wanyoike ist blinder Läufer und Leichtathlet, und hat bereits mehrmals Gold gewonnen. Er unterstützt LICHT FÜR DIE WELT und wird auch beim Vienna Night Run mitlaufen.

Henry Wanyoike dreht eine Ehrenrunde nach dem Sieg in Athen 2004

Henry Wanyoike gewinnt Gold bei den Paralympics in Athen 2004

Henry, du hast unglaubliche Leistungen in den letzten Jahren erbracht. Du bist 2008 Paralympics-Sieger geworden, hast 2004 den Marathon in Boston gewonnen und 2002 den damaligen Weltrekord beim  Marathon in Japan gebrochen. Was ist dein Erfolgsgeheimnis?

Mein Erfolgsgeheimnis ist, dass ich hart arbeite und niemals aufgebe. Ich überwinde meine Angst, habe Vertrauen in das Leben und vor allem glaube ich an mich selbst. Ich mache keinen Unterschied zwischen mir und anderen Leuten. Für manches brauche ich vielleicht länger, weil ich blind bin, aber ich gebe immer mein Bestes.

Jetzt fragen sich bestimmt viele: wie schafft es ein blinder Läufer die richtige Bahn zu laufen?

Ich habe einen Begleitläufer, der immer neben mir läuft. Wir sind durch ein Läuferband miteinander verbunden. Mein Begleitläufer sagt mir auch: in ein paar Metern ist eine Kurve nach links. Oder: jetzt geht es bergauf. Mein Begleitläufer ist mein Auge, durch ihn kann ich sehen. Der Begleitläufer muss dich kennen und richtig führen. Das ist der einzige funktionierende Weg.

Wie bist du eigentlich dazu gekommen Läufer zu werden?

Bereits als Kind habe ich davon geträumt ein Athletik-Champion zu werden. In Kenia gibt es sehr viele gute Athleten. In der Schule war ich bereits einer der besten Läufer für 5.000 Meter. Als ich erblindet bin, habe ich immer noch davon geträumt. Ich habe später dann Mut gewonnen und versucht einen anderen und neuen Weg zu finden trotz der Blindheit einen Marathon zu laufen. Nichts ist unmöglich. Man kann alles erreichen, wenn man nur an sich selbst glaubt.

Als du erblindet bist, wurdest du in einem Rehabilitationsprojekt der Christoffel Blindenmission (heute in Österreich: LICHT FÜR DIE WELT) unterstützt. Wie wurde dir geholfen?

Ich wurde wirklich sehr unterstützt. Im Rehabilitationszentrum haben sie mir geholfen unabhängig zu werden. Ich habe gelernt  Braille-Schrift zu schreiben und zu lesen und mit dem Blindenstock umzugehen. Und ich habe andere blinde Leute getroffen. Das hat es mir möglich gemacht, mich selbst zu akzeptieren. Es hat dann noch zwei Jahre gebraucht, bis ich realisiert habe, dass ich trotz meiner Blindheit Läufer werden kann.

Henry Wanyoike und Joseph Kibunja unterstützen LICHT FÜR DIE WELT

Henry Wanyoike und Joseph Kibunja unterstützen LICHT FÜR DIE WELT

Du selbst unterstützt auch sehr viele Menschen in Kenia. Zum Beispiel hast du eine Schule in Kikuyu gegründet, oder besuchst Schulen für blinde Menschen, um ihnen Mut zu machen. Kannst du mir ein bisschen über die Projekte erzählen, die du unterstützt?

Als ich realisiert hatte, dass ich die Weltmeisterschaft gewonnen habe, war es mir sehr wichtig auch anderen Leuten zu helfen. Ich wollte der Gemeinschaft etwas zurückgeben. Deswegen habe ich eine Foundation gegründet, um anderen zu helfen. Ich mache auch Schulbesuche, nicht nur für Kinder mit Behinderungen. Es ist wichtig zu zeigen, dass es im Leben viele Möglichkeiten gibt, und den Kindern zu sagen: Zerstört eure Zukunft nicht, nehmt euer Leben in die Hand! Ich versuche ein Vorbild für blinde Menschen zu sein, denn ich möchte ihnen und der Gemeinschaft zeigen, dass auch Menschen mit Behinderungen sehr viel erreichen können, wenn sie Unterstützung erhalten. Es liegt sehr viel an der Einstellung und darum wie man eine Behinderung betrachtet. Auch ich habe Unterstützung erhalten und dadurch eine Menge Chancen bekommen. Es macht mich glücklich, wenn ich anderen helfen kann, das ist für mich wahrer Erfolg.

Du läufst ja zum wiederholten Male beim Vienna Night Run mit und unterstützt damit LICHT FÜR DIE WELT. Was hältst du vom Vienna Night Run?

Es bedeutet mir sehr viel, weil ich sehr glücklich über die Arbeit von LICHT FÜR DIE WELT  bin. Sie helfen Leuten mit Behinderungen und verschaffen ihnen Möglichkeiten. In dieser Arbeit steckt sehr viel Schweiß und Energie. Es werden sehr viele Menschen unterstützt – ihnen wird Hoffnung gegeben, sie können auf einmal eine Zukunft sehen. Das bedeutet sehr viel. Ich bin glücklich beim Vienna Night Run mitlaufen zu können, und Menschen zu zeigen, dass man auch mit einer Behinderung sehr viel erreichen kann.

Michael Buchleitner ist dieses Jahr dein Begleitläufer. Wie lange kennt ihr euch schon und was verbindet euch?

2004 hat unsere Freundschaft begonnen. Wir haben gemeinsam eine Goldmedaille im 5.000 Meter-Lauf gewonnen. Das war das erste Mal, dass ich mit jemand so einen Erfolg hatte, der nicht aus Kenia war. Mittlerweile sind wir sehr gute Freunde.

Henry Wanyoike läuft mit Beigleitläufer Michael Buchleitner

Henry Wanyoike läuft mit Begleitläufer Michael Buchleitner

Du wirst im Dokumentarfilm „Du bist Gold“ eine der drei Hauptrollen spielen. Was erwartest du dir von dem Film?

Dieser Film zeigt was Menschen mit Behinderungen durch Unterstützung erreichen können. Dadurch haben sie großartige Möglichkeiten. Das ist sehr wichtig, denn es macht Mut und gibt Vertrauen ihn sich selbst. Es ist eine große Ehre, bei dem Film mitzumachen.

Und nun noch zum Schluss: Durch dein Handeln motivierst du sehr viele Menschen, und machst ihnen Mut. Hast du vielleicht noch eine Botschaft für die Menschen?

Meine Botschaft ist: Bleibt fokussiert und gebt nicht so leicht auf! Verfolgt eure Träume, denn nichts ist unmöglich!

Vielen Dank, Henry!

Wien läuft für Augenlicht

Thursday, September 15th, 2011

Wenn in Wien am 8. Oktober 2011 die Nacht anbricht, fällt der Startschuss zum Vienna Night Run. Dann geht es rund:  Mehr als 15.000 Teilnehmer werden erwartet. Die nächtliche Wiener Ringstraße verwandelt sich dann in ein wogendes Meer aus motivierten Läufern, Rollstuhlfahrern, Paralympic-Teilnehmern und Nordic-Walkern.

Bereits seit 5 Jahren laufen tausende Menschen zugunsten LICHT FÜR DIE WELT die barrierefreie Strecke von 5 Kilometern. Pro Teilnehmer werden  6 Euro für Augenlicht rettende Operationen am Grauen Star in Entwicklungsländern verwendet. Seit 2007 konnten so bereits € 200.820,- gesammelt und damit 6.694 Operationen am Grauen Star finanziert werden.

Der Vienna Night Run ist also eine wunderbare Gelegenheit die Laufschuhe wieder aus der Ecke zu holen. Denn ein Lauf unter den Straßenlaternen der Wiener Ringstraße ist nicht nur ein einmaliges Erlebnis, sondern trägt auch dazu bei, blinden Menschen das Augenlicht wiederzugeben.

Lauft doch auch mit, zur Anmeldung geht es unter http://viennanightrun.at/de/mitmachen. Ihr könnt natürlich auch Teil des LICHT FÜR DIE WELT-Teams werden und im gelben LICHT FÜR DIE WELT-Leiberl mitmachen – genaueres erfahrt ihr hier. Lasst uns gemeinsam laufend Gutes tun!

Das LICHT FÜR DIE WELT-Laufteam erwartet euch!

Das LICHT FÜR DIE WELT-Laufteam erwartet euch!